Interview mit dem General Manager und Plant Manager Guido Cavalleri
Interview
1. Wie hat Zambon das Jahr 2025 auf dem Schweizer Markt abgeschlossen und welches waren die wichtigsten erzielten Ergebnisse?
Für Zambon endete das Jahr 2025 auf dem Schweizer Markt in einem besonders vielschichtigen und wettbewerbsintensiven Umfeld. Während das Domestic-Geschäft insgesamt hinter den Erwartungen zurückblieb, hauptsächlich aufgrund anspruchsvollerer Marktdynamiken im Vergleich zum Vorjahr und einer Verlangsamung einiger relevanter Produkte, darunter Nitux, Fluimucil und Perenterol, konnte die Organisation gleichzeitig ihre bedeutende Fähigkeit zur Marktpräsenz und Anpassung bestätigen.
In einem Szenario, das von regulatorischem, kommerziellem und wettbewerblichem Druck geprägt war, bewies das Unternehmen Managementsolidität und operative Disziplin. Es gelang, die Rentabilität zu schützen und gleichzeitig eine mittel- bis langfristige Perspektive beizubehalten. Dieses Ergebnis belegt die Widerstandsfähigkeit des Schweizer Modells und die Fähigkeit der Mitarbeitenden, auch in komplexen Momenten mit Verantwortung, Kompetenz und Teamgeist zu reagieren.
2. Welches sind heute die wichtigsten Stärken von Zambon Schweiz und wie entwickeln sie sich weiter, um den Anforderungen eines sich wandelnden Marktes gerecht zu werden?
Die wichtigsten Stärken von Zambon Schweiz liegen in der Fähigkeit, lokale Verankerung, ausgeprägte industrielle Kompetenzen und eine starke Bereitschaft zur Weiterentwicklung miteinander zu verbinden. Wir sind in einem anspruchsvollen, regulierten und hochkompetitiven Markt tätig, in dem die Fähigkeit, Veränderungen zu erkennen und in Chancen zu verwandeln, ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.
Auf kommerzieller Ebene kann Zambon Schweiz auf ein breit gefächertes Portfolio zählen, das sowohl eigene Produkte als auch lizenzierte Drittprodukte umfasst, sowie auf eine flächendeckende Präsenz bei Grossisten, Spitälern, Apotheken und selbstdispensierenden Ärztinnen und Ärzten. Diese Diversifizierung ermöglicht es, unterschiedliche Kanäle abzudecken, Risiken zu mindern und eine solide Beziehung zu den Akteuren des Schweizer Gesundheitssystems aufrechtzuerhalten.
Auf industrieller Ebene stellt der Standort Cadempino ein strategisches Asset für die Gruppe dar. Die Produktion für ausländische Märkte, der Beitrag zum CMO-Geschäft und die Fähigkeit, in hochkomplexen Segmenten wie sterilen Pulverantibiotika tätig zu sein, bestätigen den Wert des Standorts und das im Laufe der Zeit aufgebaute Kompetenzniveau.
Diese Elemente entwickeln sich durch gezielte Investitionen in Produktionskapazität, Automatisierung, technologische Modernisierung, Nachhaltigkeit und regulatorische Compliance weiter. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts weiter zu stärken, die operative Effizienz zu verbessern und die Organisation darauf vorzubereiten, die Chancen des neuen Strategieplans 2026–2030 zu nutzen – mit einer Perspektive, die auf nachhaltiges Wachstum und langfristige Wertschöpfung ausgerichtet ist.
3. Welche Ergebnisse hat der Standort Cadempino im Jahr 2025 erzielt und welches waren die bedeutendsten Projekte, die im Laufe des Jahres umgesetzt wurden?
Im Jahr 2025 bestätigte der Standort Cadempino seine zentrale Rolle innerhalb des industriellen Bereichs von Zambon und zeichnete sich sowohl durch seinen Beitrag zu den Intercompany-Produktionen als auch durch die Bedeutung des Toll-Manufacturing-Geschäfts aus. Es handelt sich um einen Standort, der weiterhin für Kompetenz, Zuverlässigkeit und Umsetzungsstärke steht – grundlegende Elemente in einer Branche, in der Qualität, Kontinuität und regulatorische Strenge unverzichtbar sind.
Auf kommerziell-industrieller Ebene stellten zwei Vereinbarungen mit wichtigen Pharmaunternehmen besonders bedeutende Schritte dar: einerseits die Stärkung einer bereits etablierten Partnerschaft, andererseits die Erweiterung der Entwicklungsperspektiven auf strategische Märkte wie China und Japan. Diese Ergebnisse bestätigen die Glaubwürdigkeit des Standorts und das Vertrauen, das internationale Partner weiterhin in unsere Kompetenzen setzen.
Im Laufe des Jahres wurden zudem Investitionen von rund 8 Millionen CHF getätigt, die der Stärkung, Modernisierung und schrittweisen Weiterentwicklung der Produktionsanlagen dienten. Diese Massnahmen entsprechen nicht nur aktuellen Anforderungen, sondern sind Teil einer umfassenderen industriellen Vision, die darauf abzielt, Cadempino immer effizienter, wettbewerbsfähiger und besser auf künftige Herausforderungen vorbereitet zu machen.
4. Wie wurde im Jahr 2025 der Weg des Standorts in den Bereichen Nachhaltigkeit, Innovation, Sicherheit und Produktionseffizienz fortgesetzt?
Im Jahr 2025 setzte der Standort Cadempino seinen Weg der kontinuierlichen Verbesserung mit Entschlossenheit fort und bestätigte einen integrierten Ansatz in den Bereichen Nachhaltigkeit, Innovation, Sicherheit und Produktionseffizienz. Diese Bereiche sind eng miteinander verbunden, denn industrielle Wettbewerbsfähigkeit kann heute nicht von der Verantwortung gegenüber Menschen, Umwelt und Region getrennt werden.
Im Bereich Gesundheit, Sicherheit und Umwelt erhielt der Standort die integrierte Rezertifizierung nach UNI ISO 45001 und UNI ISO 14001 und bestätigte damit die Einhaltung hoher internationaler Standards. Das Managementsystem wurde durch Management Review, Audits, KPI-Monitoring, Bewertung der Gesetzeskonformität und Dokumentenmanagement unter Kontrolle gehalten.
Die Ergebnisse im Bereich Sicherheit waren besonders positiv, mit ausgezeichneten KPI, die die kontinuierliche Aufmerksamkeit für Prävention, die Kultur individueller und kollektiver Verantwortung sowie die Qualität der internen Prozesse widerspiegeln. Sicherheit bleibt ein nicht verhandelbarer Pfeiler unserer Arbeitsweise.
Im Bereich Nachhaltigkeit wurde ab Januar 2025 am Standort eine dedizierte Position geschaffen, was den Willen bestätigt, diese Themen noch stärker zu verankern. Zu den bedeutendsten Ergebnissen zählt auch der Abschluss des dreijährigen Projekts mit SUPSI zum Life Cycle Assessment von Fluimucil, einer Initiative, die es ermöglicht, die Umweltauswirkungen entlang des gesamten Lebenszyklus des Produkts wissenschaftlich vertieft zu analysieren.
Ebenfalls im Jahr 2025 wurde der zehnjährige Umweltinvestitionsplan abgeschlossen und mit der Eidgenossenschaft geteilt. Ziel ist es, die CO₂-Emissionen bis 2035 gegenüber der Baseline 2024 um 20 % zu reduzieren. Zudem wurde der dritte CSR-Territorialbericht erstellt, ein wichtiges Instrument, um das Engagement des Standorts gegenüber der Gemeinschaft und den lokalen Stakeholdern transparent darzustellen.
Im Bereich Produktionseffizienz und Innovation setzte Cadempino den Weg der Automatisierung, des technologischen Revampings und der Modernisierung der Anlagen fort und bereitete einige Maschinen auf künftige Anwendungen künstlicher Intelligenz vor. Diese Entwicklung blickt in die Zukunft, basiert jedoch auf einer soliden industriellen Kultur, der Kompetenz der Menschen und der Fähigkeit, zu innovieren, ohne Qualität und Zuverlässigkeit aus den Augen zu verlieren.
5. Welches sind die wichtigsten Herausforderungen und Prioritäten für Zambon Schweiz und den Standort Cadempino im Jahr 2026 und in den folgenden Jahren?
Die wichtigsten Herausforderungen für Zambon Schweiz und den Standort Cadempino im Jahr 2026 und in den folgenden Jahren betreffen die Fähigkeit, die kommerzielle und industrielle Wettbewerbsfähigkeit in einem sich ständig wandelnden Umfeld zu stärken. Preisdruck, regulatorische Entwicklungen, internationaler Wettbewerb, steigende Kosten und die Notwendigkeit kontinuierlicher Effizienzsteigerung erfordern einen klaren, pragmatischen und zugleich innovationsorientierten Ansatz.
Der neue Strategieplan 2026–2030 wird ein wesentlicher Hebel sein, um diese Entwicklung zu begleiten. Ziel wird es sein, den Standort hinsichtlich Produktkosten noch wettbewerbsfähiger, bei der Reaktion auf Marktanforderungen agiler und zunehmend bereit zu machen, neue Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen. In dieser Perspektive wird Cadempino weiterhin eine strategische Rolle für die Gruppe spielen – nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch als Zentrum für Kompetenzen, Innovation und industrielle Zuverlässigkeit.